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Donnerstag, 27. Oktober 2016

{R} Karl Mays magischer Orient ~ Im Banne des Mächtigen

Im Banne des Mächtigen | | Alexander Röder | | Karl May Verlag | | Fantasy| | B | | 464 Seiten | | 1/4

Als Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar sich mit ihrem alten Freund, dem schrulligen Sir David Lindsay in Basra treffen, ahnen sie nicht, dass ihnen ein neues Abenteuer bevorsteht. Die schicksalhafte Begegnung mit einem jungen Dieb zwingt die Freunde, die Stadt zu verlassen. Als sie auf einen Trupp Banditen stoßen, taucht ein Name immer wieder auf: Al-Kadir, der Mächtige. Es gilt, diesem geheimnisvollen König der Banditen auf die Spur zu kommen. Dabei geraten sie immer tiefer in die Wüste und das Netz des Mächtigen. Als sie auch noch auf die geheimnisvolle Tempelruine eines Dämonenkults stoßen, muss sogar der sonst so rationale Kara Ben Nemsi einsehen, dass es Dinge gibt, die über das Erklärbare hinausgehen. Ist es Magie, die dem geheimnisvollen Al-Kadir seine Macht verleiht?


Ich muss ja gestehen, dass ich noch kein einziges Buch aus der Feder Karl Mays gelesen habe - geschweige denn einen Winnetou- Film geguckt hätte... #shameonme Und da ich dieses Jahr schon einige wundervolle orientalische Geschichten gelesen habe und verzaubert bin, kam ich um dieses Buch gar nicht herum...




#1 ORIENT PUR

Was Alexander Röder definitiv gelungen ist, ist die orientalische Atmosphäre - das Gefühl, durch die Wüste zu reiten, Banditen zu entkommen (und verfolgen), über den Markt von Basra zu schlendern, würzige Speisen zu kosten und die Magie zu spüren...

Der Autor hat zudem einen opulenten Schreibstil, voller Witz und Schärfe und lässt unseren Hauptprotagonisten Kara Ben Nemsi nicht nur heldenhaft handeln, sondern gewitzt die Besonderheiten des Orients aufdecken und bringt einen als Leser durch Anspielungen auf zukünftige Ereignisse zum Schmunzeln.


#2 TEILS ZU AUSSCHWEIFEND

Wenngleich ich mich bereits lobend zum Schreibstil geäußert habe, ist der zugleich mein Hauptkritikpunkt - durch die vielen Be- und Umschreibungen, Verweise und Anspielungen sowie Gedankengänge und Verwirrungen seitens Ben Nemsi ist das Buch einfach lang. Seeeehr lang. Stehe ich grundsätzlich nicht drauf und wenn, dann nur, wenn es auch viel Handlung gibt (wie bei Gläsernes Schwert). Hier jedoch war mindestens die Hälfte der Seiten ausschweifende, wenn auch gekonnt formulierte, Sätze ohne inhaltliches Vorankommen.

»Mein Puls und mein Atem waren wie die Unruhe einer Uhr, meine Gliedmaßen wie das Pendel und die Zeiger. Und trotz dieser vielen Takte und Schläge empfand ich, dass mir die Zeit abhanden gekommen war.« 

Erst gegen Ende, und damit meine ich die letzten paar Kapitel, gar Seiten, wird es nervenaufreibend spannend und erzählerisch dicht. Zwischenzeitlich war ich zugegebenermaßen recht genervt und manchmal sogar kurz vor dem Aufgeben, weshalb ich auch so verhältnismäßig lange für das Buch gebraucht habe.


#3 WISSENSCHAFT ODER MAGIE?

Durch das Nachwort bereits vorgewarnt (Karl May- Leser wissen das sicherlich von Anfang an) hat mich Ben Nemsis kategorische Ablehnung von sämtlichen magischen Angelegenheiten nicht mehr überrascht und dennoch streckenweise in den Wahnsinn getrieben, da ich den Phänomen endlich auf den Grund gehen wollte und nicht in Karas Gedankengespinsten zu möglichen wissenschaftlichen Erklärungen versinken.

»Vielleicht hast du nur nie genau hingesehen, Sihdi. Denn mit der Magie ist es wie mit der Religion: Man muss daran glauben. Die Magie ist oft verborgen und dies besonders gegenüber demjenigen, der nicht an sie glaubt!« 

Dennoch ist es dem Autor grandios gelungen, die Magie peu á peu einfließen zu lassen in die orientalische Welt, die an sich bereits magisch anmutet.



Auf dieses Buch, seinen ausschweifend Schreibstil und opulenten Orient muss man sich einlassen können und Zeit mitbringen, wird dann aber von einer wundervollen Geschichte belohnt, die das Lesen wert ist und sich vor allem von den vielen Fantasy- Neuheiten des Jahres abhebt und somit eine angenehme Überraschung ist.

»Und beim Tee sind sich ja viele Nationen einig, von den Briten über die Russen bis zu den Türken und Arabern, vom Fernen Osten ganz zu schweigen. Vielleicht wäre es nie zu den Konflikten zwischen diesen Völkern gekommen, wenn sie die sprichwörtliche Gelassenheit an den Tag gelegt und statt Krieg zu führen, Tee getrunken hätten. Es ist schon eine Crux mit der Menschheit.« 

Mich haben gerade die letzten Seiten so sehr fesseln, so begeistern, können, dass ich die Reihe definitiv fortsetzen werde und mich auch auf die Kurzgeschichtensammlung freue - nicht allein, weil Tanja Kinkel mitgewirkt hat.


Auf den ersten Blick ist das Cover nicht allzu spektakulär, bietet aber bei näherem Hinsehen nicht nur orientalische Verzierungen, sondern zusätzlich einen atemberaubend schönen Rücken, ganz im Stile der islamischen Bücher. Zudem ist der Titel in metallischem Kupfer gehalten, welches das Licht reflektiert.

Der Titel macht bereits neugierig und deutet Ben Nemsis Ausflug in magische Gefilde nicht nur an. Zudem hat er etwas Geheimnisvolles, das mir zusagt. Lediglich in Kombination mit dem Reihennamen wird der Titel recht sperrig...



VIELEN DANK AN   FÜR DAS REZENSIONSEXEMPLAR! ♥♥♥

Wundervoll atmosphärisch, aber streckenweise auch recht zäh und für mich nicht immer leicht zu lesen. Trotzdem gelungen und definitiv ein lohnenswertes Leseerlebnis, das ich jedem nur ans Herz legen mag, die Abenteuergeschichten, orientalische Atmosphäre und Karl Mays Helden liebt.

orientalisch ~ treffsicher ~ opulent


1001 Kuss - Djinnfeuer Tausend Nächte aus Sand und Feuer (Die) Macht der ersten Nacht (Die) Prinzen aus Gupan
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Habe ich es euch schon berichtet? Ich lerne jetzt Arabisch! Eine komplexe und ausnahmenreiche Sprache, die mir aber schon jetzt viel Spaß macht...

Würdet ihr gerne mal in den Orient reisen oder reichen euch die Geschichten aus 1001 Nacht? Und würdet ihr gerne Arabisch lernen? Was haltet ihr von dem "Trend" dieses Jahres von Orient- Adaptionen?

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