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Donnerstag, 12. Oktober 2017

{R} Scherben der Dunkelheit

 Rezension Scherben der Dunkelheit
Scherben den Dunkelheit | | Gesa Schwartz | | cbt | | Jugendbuch | | HC | | 592 Seiten | | 1/1

Die sechzehnjährige Anouk verbringt die Ferien in einem kleinen Dorf in der Bretagne. Kurz nach ihrer Ankunft gastiert der Dark Circus in der Nähe: ein geheimnisvoller Zirkus, der im Dorf für seine düsteren und besonderen Vorstellungen bekannt ist. Auch Anouk gerät schnell in seinen Bann und damit in einen Kosmos, den sie kaum für möglich hielt: Eine magische Welt öffnet sich vor ihr, in der sie den mysteriösen Zauberer Rhasgar kennenlernt. Doch der Dark Circus birgt mehr, als Anouk ahnt. Bald schon schwebt sie in tödlicher Gefahr und weiß nicht mehr, wem sie trauen kann. Denn es gibt keine Regeln im Dark Circus bis auf eine: Nichts ist, wie es scheint ...


Als ich diese Klappentext gelesen habe, wusste ich, dass ich dieses Buch lesen muss. Ein düsterer Zirkus? Geheimnisse, Schatten, ein Fluch...? Es gibt für mich nur wenige vielversprechendere und anziehendere Kombinationen!

Bereits von der ersten Seite an konnten mich die Autorin und der Zirkus in ihren düsteren Bann ziehen, denn mit ihren betörenden Formulierungen voller Farben und Emotionen und fast schon poetischer Schönheit erschafft Gesa Schwartz eine Welt, so magisch wie gefährlich. Kraftvoll und phantasiereich "malt" sie mit ihren Worten, nimmt einen gefangen und entlässt einen nicht mehr aus dem Strudel der Verwicklungen und besitzergreifender Magie.

Dabei entsteht ein irres Ausmaß an Verstrickungen, Komplexität und Plottwists - und ich rede hier nicht von den üblichen "Huch, der Verräter ist jemand Unerwartetes" (solche Überraschungen gab es auch), sondern von tiefgreifenden Wendungen, Umstülpungen und Verdrehungen der Geschichte. Das birgt gleichzeitig ein hohes Verwirrungspotential, denn nicht nur die Protagonisten weiß der Zirkus mit seinen dunklen Geheimnissen und Fallstricken zu täuschen und manipulieren...

Die Glühbirnen flackerten im Regen und sie überkam wieder das Gefühl, das sie schon einmal empfunden hatte: damals vor wenigen Tagen oder hundert Jahren, als der Dark Circus über die Hügel gekommen war. Wie ein Kosmos voller Magie inmitten einer Wüste war er ihr erschienen, und sie spürte ihn erneut: den betörenden Zauber, der diesen Ort erfüllte und der irgendetwas tief in ihrem Inneren zum Klingen brachte. »Der Zirkus ist wie ein Kaleidoskop der Dunkelheit«, sagte sie leise. »Schrecklich, verwirrend und wunderschön.«

Neben der atemberaubenden und nervenaufreibenden Spannung ist auch die beeindruckende Vielfalt und Bandbreite an Emotionen, die einen beim Lesen überwältigt, beeindruckend. Entsetzen, Aufregung, Angst, berauschenden Nähe, aufgeladenes Knistern... man liest nicht nur von den Gefühlen der Charaktere, man empfindet sie mit. Die Grundstimmung ist düster, geheimnisvoll und gefahrenträchtig, zugleich gibt es aber einige Szenen, die von allumfassender Lebensfreude, Lebenskraft getragen werden und die mich erfüllen konnten.

»Dieses Wetter gehört denen, die mit offenen Augen träumen können«, sagte er. »Und die besten Menschen sind die mit einem Schuss Wahnsinn.«

Diese Lebenskraft ist auch in der Schlussszene zu finden, ein Ende mit Schrecken, bittersüß und voller Wehmut, gleichzeitig aber auch Freude und Erleichterung. Ein geschlossenes offenes Ende, ein Abschied und ein Neuanfang, Hoffnung und Verzweiflung... ein passenderes Ende als dieses hätte diese unheimliche, magische und faszinierende Geschichte nicht haben können!

»[…] wir alle sind Weltenschöpfer, wir alle, die träumen und lieben können. Die meisten von uns mögen es vergessen haben, doch irgendwo existieren die Welten, die wir in unseren Gedanken formen. Sie warten auf uns. Mitunter flüstern sie unsere Namen, und vielleicht kehren wir eines Tages dahin zurück oder vielleicht auch niemals. Aber heute Nacht können wir sie singen hören. Und das ist ein Geschenk.«

Bei all meiner Begeisterung, Faszination und Sprachlosigkeit vor so viel Sprachgewalt dieses Buches möchte ich dennoch einen für mich negativen Punkt der Geschichte ansprechen: Ich empfand einige Situationen und Schicksale, insbesondere das von Rhasgar, als zu dramatisch, gar überdramatisiert. Zu diesem Gefühl trugen auch repetitive* oder allzu rätselhafte und konfuse Szenen bei. 

»Manchmal muss man weglaufen, um anzukommen«, sagte er leise. »Manchmal muss man verlieren, um zu gewinnen.«

Aufgefallen ist mir auch, dass der örtliche Rahmen der Handlung sich nicht zu verändern scheint, obwohl Zeit verstreicht, Anouks Vorschritten zufolge gar Monate vergehen, und der Zirkus demzufolge eigentlich den Ort verlassen müsste. Von einem Umzug, einer Weiterfahrt ist aber nie die Rede - aber falls der Dark Circus tatsächlich an Ort und Stelle bleibt, müssten dann die Dorfbewohner Anouk nicht erkennen und umgekehrt (und müssten Anouks Verwandte sie nicht wenigstens versuchen anzurufen?)? Alles keine handlungsrelevanten Fragen, aber kleinere Ungereimtheiten, die mich im Hinterkopf beschäftigten.

Nichtsdestotrotz ist dieser Roman ein außergewöhnliches Buch, dass ich so schnell nicht vergessen werde und das ich zu den beeindruckendsten Geschichten zähle, die ich je gelesen habe - insbesondere auf Grund des einmaligen Schreibstils, der berauschenden Kulisse und der düsteren Faszination, die sie ausübt.

*Damit meine ich vor allem die Erinnerungen an Ben, die verzweifelten Momente in seinem Kinderzimmer und sein wiederkehrendes Lachen.


 Fazit Scherben der Dunkelheit Gesa Schwartz cbt
VIELEN DANK AN DEN CBT- VERLAG  FÜR DAS REZENSIONSEXEMPLAR

Betörend, einzigartig und kraftvoll... Mit ihrem fast schon poetischen Schreibstil hat die Autorin ein wahres Juwel geschaffen, dass einen nicht mehr loslässt und den Schrecken, aber auch die Schönheit des Dark Circus spüren lässt!

berauschend ~ elektrisierend ~ unvergesslich



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Online hat mich das Cover mehr Verzaubern können, als es das jetzt tut, wo ich das Buch in den Händen halten. Die Konzeption ist fantastisch, nur das Gesicht des Mädchens stört für mich die Ästhetik. Dafür schimmern die Buchstaben silbern *-*

Dieser Titel klingt nicht nur faszinierend und aufregend, er findet sich auch immer wieder im Laufe des Buches und passt wie kein zweiter zur Geschichte!


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Faszinieren euch Zirkusse auch so? Im echten Leben wie in Büchern - ich LIEBE Zirkus! Abenteuer, Faszination und der Widerspruch von kindlicher Begeisterung und erwachsenen Verstehens... Für mich sind Zirkusse die Magie des realen Lebens, die Flucht aus dem Alltag...

Düster, bedrohlich, geheimnisvoll... Welche Bücher konnten euch mit einer dunklen Atmosphäre in den Bann schlagen, gar leicht gruseln?



4 Landgänge

  1. Hallo Mary,

    Romane mit solchem Inhalt da fällt mir nur Herr King und seine Bücher ein....Friedhof der Kuscheltiere...über Cujo....der kleine Geschenkeladen...allesamt düster, geheimnisvoll und klar zum Gruseln.

    Schöne Feiertag ..LG..Karin...

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    1. Ahoy Karin,

      huu an Stephen King traue ich mich irgendwie nicht ran... Horror, Grauen, Angst...

      Liebe Grüße
      Mary <3

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  2. Hallo liebe Mary,

    eine wirklich schöne Rezension, die aufzeigt wie vielfältig und vor allem mitreisend dieses buch ist. Ich konnte mich auch richtig fallen lassen und habe es unglaublich gerne gelesen. Das düstere und dramatische hat mir auf alle Fälle sehr gut gefallen. :)

    Liebe Grüße, Ruby

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    1. Ahoy Ruby,

      danke dir *-* Fiel mir nicht ganz leicht, meine Gefühle für dieses Buch in Worte und Wertung zu packen... Aber du hast Recht, man konnte sich wirklich fallen lassen. Im wörtlichen und übertragenen Sinne.

      Ein schönes Wochenende noch, Mary <3

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