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Freitag, 18. Mai 2018

{Rezension} Die Tränen der Waidami ~ Klara Chilla

 Rezension Die Tränen der Waidami Klara Chilla
Die Schiff der Waidami | | Klara Chilla | | Selfpublisher | | Fantasy | | B | | 520 Seiten | | 2/3

»Nicht die Vision ist es, die euer aller Schicksal bestimmt, sondern euer Glaube daran.«

Die Macht der Waidami wächst unaufhaltsam weiter. Jess Morgan soll der Schlüssel zur Vernichtung des Obersten Sehers sein und damit die letzte Hoffnung, die Karibik vor den Waidami zu beschützen. Doch als der Pirat dem Weg folgt, den die Vision für ihn vorsieht, scheint nicht nur er alles zu verlieren.


Sie hat es wieder getan! Auch die neueste Reise, auf die Klara Chilla ihre Figuren schickt, war wieder voller Leid, voller epischer Kämpfe und voller Überraschungen - kurzum, ich bin wieder vollauf begeistert von diesem Genremix aus Fantasy und historischer Piraterie ♥ Wer die Reihe noch nicht kennt, der sollte sich unbedingt von den Zitaten aus Band 1 überzeugen lassen!

Was ich an diesem Buch (sowie seinem Vorgänger) besonders liebe, ist seine Unkonventionalität. Die Geschichte ist voller unerwarteter Plottwists und folgt, obwohl eine Prophezeiung darin eine große Rolle spielt, nicht dem klassischen Aufbau von Fantasygeschichten. Viel mehr wurde ich immer wieder (böse!) überrascht und geschockt und wenn ich dachte "Jetzt muss doch aber...!", kam es ganz anders. Und so zog mich dieser zweiter Band nach wenigen Seiten bereits wieder in seinen Bann und es fiel mir unfassbar schwer, das Buch aus der Hand zu lesen. Dazu tragen auch die wechselnden Perspektiven bei - gerade, wenn es besonders brenzlig wird, erfolgt natürlich ein Sprung.

Sorgte bereits der Aufbau des Buches für Spannung, so steigerte das Spiel Klara Chillas mit ihren Figuren (und Lesern!) diese noch weiter. Beim Lesen kamen mir immer wieder die Tränen, setzte mein Herz vor Schreck für einen Moment aus und ich wollte nervös an den Nägeln knabbern - denn nicht nur die Protagonisten, sondern auch die Leser lässt die Autorin im Unklaren, lässt sich (durchaus auch wortwörtlich) ins Messer laufen. Wie bei einem Puzzle muss man sich das große Ganze zusammensetzen; erraten und erkennen, worauf das alles hinausläuft und warum bestimmte Ereignisse von so großer Relevanz sind. Und selbst das Ende, das bereits einige Fragen beantwortet, lässt viel Spielraum für den nächsten Band, den ich kaum erwarten kann. Kurzum: Die Geschichte ist stets unvorhersehbar (höhö, Wortspiel!).

»Und damit würde er allen beweisen, dass das Schicksal sich nicht von ein paar Sehern bestimmen ließ, sondern nur durch die unvorhersehbaren Handlungen und Entscheidungen, die der Mensch selbst bestimmte.«

Auch die Figuren lösten bei mir Begeisterung aus - von Jess war ich bereits von erster Stunde an schwer beeindruckt, Klara Chilla hat aber noch einen obendrauf gesetzt! Obwohl er Unverzeihliches begeht, blieb für mich als Leserin sein weiches Herz und seine guten Absichten offensichtlich, ich litt mit ihm (und Lanea). Diese wiederum hat eine Reifung durchlebt und wurde zu der starken Frau, die ich mir erhofft habe. So ein Traumpaar... *schmacht* Aber auch Cale, Emilia und sogar Torek waren für emotionale Momente verantwortlich! Überhaupt, sowohl die Sympathieträger, als auch die "Schurken" sind eindrucksvoll vielschichtig und nicht einfach nur des Böseseins Willen grausam. 

Besonders fasziniert und begeistert bin ich vom Schreibstil der Autorin, die die Kunst der Beschreibungen meisterhaft beherrscht - normalerweise bin ich kein Fan von Orts- und Personenbeschreibungen, aber Klara Chilla nutzt ihre Worte nicht nur zum bloßen Wiedergeben der Situation, sondern lässt ihre Welt, ihre Figuren auf magische Weise real werden, malt Bilder mit ihrer Fantasie und erschafft eine unwirkliche Atmosphäre.

»Um sie herum gab es nur Wasser und Haie und Männer, die um ihr Leben kämpften. Hier schwebte der Tod über der See wir ein Raubvogel, der wahllos von oben herabschoss, um sich zu holen, was ihm in die Krallen geriet. Und dabei machte es keinen Unterschied, ob seine Opfer besonders geschickt im Umgang mit den Waffen waren oder besonders schlau. Es war ein Glücksspiel, in dem jeder neue Wurf zu Gunsten oder zu Ungunsten des Spielers ausfiel.«

Ihr Buch fängt die Epoche der Piraterie in der Karibik grandios ein - so stelle ich mir diese Zeit vor. Rau, voller Freiheitsdurst und Ehrenkodex, aber auch voller Gier und Gewalt, Untreue und Verrat. Jess und die anderen (Waidami-) Piraten sind definitiv keine weichgespülten Helden, sondern Männer voller Schwächen und Egoismen.

»All diese Weisheit wird dir am Ende nichts nützen. Du weißt genauso gut wie ich, dass der Tod bereits auf der Insel ist, um nach dir Ausschau zu halten.« [...] »Er schreckt mich schon lange nicht mehr. Im Gegenteil. Ich erwarte ihn, denn er wird der Einzige sein, der die Ketten zerreißen kann, die ich selbst geschmiedet habe.« Das Lächeln war verschwunden. Nicht ein Hauch von Zynismus lag in seiner dunklen Stimme, nur die blanke Wahrheit.

Weiterhin merkte man über die gesamte Geschichte hinweg, wie viel Recherche für dieses Buch betrieben wurde - von Voodoo, über historisch verbriefte Ereignisse in der Karibik zur Hochzeit der Piraterie* bis hin zu technischen Details von Segelschiffen und Seeschlachten. Und dennoch verschwimmen die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion. Wissenschaft und Technik kommen mit Aberglaube, Mystik und Magie in Kontakt; Bukaniere, Piraten und sonstige reale Figuren der unterschiedlichsten Jahrhunderte treffen einander auf Klara Chillas Schiffen. Wenn es noch ein kleines historisches Nachwort gegeben hätte, wäre ich vor Begeisterung förmlich ausgeflippt, aber auch ohne bin ich mehr als zufrieden! Zumal dieses Buch wohl eigentlich nicht von Anfang an geplant war - was man der Geschichte jedoch zu keinem Zeitpunkt anmerkt. Anders als bei manch anderer Reihe hatte ich nicht das Gefühl, die Geschichte wäre künstlich erweitert oder stümpferhaft ergänzt worden. Viel eher ist Lanea und Jess´ Geschichte eben noch nicht zu Ende erzählt...

Also, Fluch der Karibik-Soundtrack an und ran an die Kanonen! Ähhh, die Bücher natürlich.

*So habe ich mich sehr über die Begenung mit meinem liebsten Piratenbösewicht Francois L`Olonnais gefreut. Dieser konnte mich bereits bei Joli Rouge faszinieren. Mal schauen, für welche Bedrohungen er in dieser Geschichte zu sorgen weiß...


... noch ein paar Worte zu Cover und Titel:
Auch wenn ich das Cover nicht zu meinen liebsten zählen würde, mag ich, wie gut es zur Geschichte und seinem Vorgänger passt (auch wenn die Art der Einbindung sich etwas unterscheidet...). Und der Titel passt sowieso wie die Faust auf´s Auge (wobei er auch "Tränen der Mary" hätte heißen können, so sehr, wie mich dieses Buch berührt hat ^^).


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VIELEN DANK AN KLARA CHILLA FÜR DAS REZENSIONSEXEMPLAR

Eine unfassbare Mischung aus historischer Piraterie, fesselnder Fantasy, aufwühlender Liebesgeschichte und epischer Kämpfe. So packend und "piratig" wie Fluch der Karibik, nur dramatischer und emotionaler. Unbedingt lesen!

 
nervenaufreibend ~ episch ~ aufwühlend

Mögt ihr Piratengeschichten? (Und wie steht ihr zu Jack Sparrow?) Was haltet ihr von "Helden", die es nicht immer sind, sondern durchaus auch Grausamkeiten begehen, im Kern aber ein gutes Herz haben? Welchen Autoren sind Genremixe eurer Meinung nach besonders gut gelungen?


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